S P D - R A T S F R A K T I O N
¨ P R E S S E M I T T E I L U N GVerantwortlich: Thomas Gedig
Kiel, 02.09.2003
„Brandbrief“ an Franz Müntefering -
SPD-Kommunalpolitiker fordern Entlastung der Kommunen
Einen „Brandbrief“ schickten heute führende SPD-Kommunalpolitiker aus 10 deutschen Großstädten an den Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion Franz Müntefering. Die Kommunalpolitiker der Städte Kiel, Frankfurt am Main, München, Stuttgart, Hannover, Nürnberg, Saarbrücken, Dortmund, Leipzig und Essen fordern darin Franz Müntefering auf, sich bei den heute und morgen stattfinden Beratungen der Bundestagsfraktion für eine „kommunalfreundliche Lösung der Gemeindefinanzreform“ einzusetzen.
Durch die jüngsten Pläne der Bundesregierung zur Reform der Gewerbesteuer und Kommunalfinanzen, fühlen sich die unterzeichnenden Kommunalpolitiker „getäuscht“. Sie fordern eine Rückkehr zu den Vorschlägen der Kommission zur Reform der Gemeindefinanzen. Die Ausgestaltung der Gewerbesteuer als reine Gewinnsteuer mache diese wichtige Einnahmequelle der großen Städte „unplanbar“.
„Die Lebensqualität der Menschen in diesem Land hängt ganz maßgeblich davon ab, in welcher Weise die Kommunen ihre Aufgaben erfüllen können, welche Qualität unsere Schulen haben, unsere Sportanlagen, wie wir die notwendigen Integrationsleistungen der Zuwanderung in kultureller und sozialer Hinsicht bewältigen“ heißt es in dem Brief der sozialdemokratischen Kommunalpolitiker an Franz Müntefering.
Cathy Kietzer, SPD-Fraktionsvorsitzende weist darauf hin, dass es bei der Qualität kommunaler Leistungen „auch um die Attraktivität unserer Wirtschaftsstandorte“ geht.
2. September 2003
Gemeindefinanzreform - Städte in Not!
Lieber Franz,
wir wenden uns persönlich an Dich, um Dich dringend zu bitten und aufzufordern, Deine Stimme und Deinen Einfluss für eine kommunalfreundliche Lösung der Gemeindefinanzreform einzusetzen. Wir tun das, weil wir uns, wie viele andere Kommunalpolitiker auch, durch die Bundesregierung getäuscht sehen. Entgegen der Zusicherung von Gerhard Schröder, den Kommunen mit einer modernisierten Gewerbesteuer eine stetige Einnahmequelle zu verschaffen, und entgegen der Zusicherung, dass die Kosten für die erwerbsfähigen Sozialhilfeempfänger durch den Bund übernommen werden sollen, sind jetzt Lösungen auf dem Tisch, die dieses Versprechen zur Farce machen.
Wenn jetzt schon wieder eine Gestaltung der Steuergesetzgebung vorliegt, welche die Gewerbesteuer zur reinen Gewinnsteuer macht, bedeutet das für die Kommunen, dass diese für uns in den großen Städten zentrale Einnahmequelle vollkommen unplanbar wird und wir weiter abhängig bleiben von der Ausnutzung der Gestaltungs- und Umgehungsmöglichkeiten, insbesondere für große Kapitalgesellschaften. Dieser Vorschlag ist nicht nur mittelstandsfeindlich, sondern er trägt auch dazu bei, die kommunale Selbstverwaltung in unseren Großstädten in einem unerträglichen Maß auszuhöhlen.
Die Lebensqualität der Menschen in diesem Land hängt ganz maßgeblich davon ab, in welcher Weise die Kommunen ihre Aufgaben erfüllen können, welche Qualität unsere Schulen haben, unsere Sportanlagen, wie wir die notwendigen Integrationsleistungen der Zuwanderung in kultureller und sozialer Hinsicht bewältigen. Es ist ein Irrtum zu glauben, dies sei einfach nur eine Frage des Wohlbefindens der Menschen gerade in den großen Städten. Es geht in der Konsequenz natürlich auch bei der Qualität kommunaler Leistungen um die Attraktivität unserer Wirtschaftsstandorte.
Wir appellieren dringend an Dich, all Deinen Einfluss geltend zu machen, damit die Bundesregierung zurückkehrt zum Ergebnis der Kommission zur Reform der Gemeindefinanzen. Es kann nicht sein, dass wir den Lobby-Bataillonen der Wirtschaftsverbände bereits nachgeben, ehe die Schlussanhörung im Bundesrat beginnt. Das würde viele Kommunalpolitiker bitter enttäuschen, die gerade in diese Bundesregierung große Hoffnung gesetzt haben.
Mit noch freundlichen Grüßen
Franz Frey, Vorsitzender SPD-Unterbezirk Frankfurt am Main
Axel Dyck, Stv. Fraktionsvorsitzender der SPD-Fraktion im Stadtrat zu Leipzig
Klaus Huneke, Fraktionsvorsitzender der SPD-Ratsfraktion Hannover
Manfred Kanzleiter, Vorsitzender SPD-Gemeinderatsfraktion Stuttgart
Cathy Kietzer, Fraktionsvorsitzende der SPD-Ratsfraktion Kiel
Ralf Latz, Fraktionsvorsitzender Stadtratsfraktion Saarbrücken
Reinhard Paß, Fraktionsvorsitzender SPD-Ratsfraktion Essen
Ernst Prüsse, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion Dortmund
Alexander Reissl, Stv. Fraktionsvorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion München
Gerhard Schönfelder, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion Nürnberg
***