Ortsbeirat am 08. Mai 2001

Bevor sich der Ortsbeirat in seiner Sitzung am 08.05. seinem eigentlichen Thema widmete, dem geplanten Ausbau des Flughafens Kiel-Holtenau, griff der Vorsitzende des Ortsbeirates Reinhard Warnecke das in der Sitzung am 03.04.2001 erörterte Thema Verlegung der Buslinien 81 und 32 zum Fahrplanwechsel 10.06.2001 noch einmal auf. Mit den Worten, die von der KVAG dem Ortsbeirat gegebene Zusage, vor der Umstellung auch die betroffenen Schulen hierzu angehört zu haben, sei unzutreffend, kritisierte der Leiter der Goethe-Schule Hartmut Bollin die damalige Aussage des KVAG-Mitarbeiters. So seien weder die Goethe-Schule noch die Ricarda-Huch-Schule beteiligt worden. Auch Eltern betroffener Schülerinnen und Schüler beklagten, dass sich durch die Verlegung die Anbindung des ÖPNV an die Schulen z.T. dramatisch verschlechtert habe. Der Ortsbeiratsvorsitzende sicherte zu, sich um diese Angelegenheit zu kümmern. Der Ortsbeirat hätte seinerzeit der Verlegung in der Gewissheit zugestimmt, dass die Betroffenen, und hierbei seien ausdrücklich die Schulen genannt worden, angehört worden seien.

Die Begrüßung der zahlreich erschienenen Bürgerinnen und Bürger - nicht nur aus dem Stadtteil Suchsdorf - zum Thema Flughafen Holtenau verband der Ortsbeiratsvorsitzende Reinhard Warnecke mit dem Aufruf, sachlich und fair in der Diskussion miteinander umzu-gehen. Eine Entscheidung für oder gegen den Ausbau werde in dieser Sitzung des Ortsbei-rates nicht getroffen werden; es handele sich um eine reine lnformationsveranstaltung.

Wirtschaftsdezernent Heinz Rethage betonte zu Beginn seines Vortrages, dass die Verantwort-lichen noch ganz am Anfang des Entschei-dungsprozesses stehen würden. Die in der Öffentlichkeit bekannt gewordene Potenzial-analyse bilde nicht die alleinige Grundlage der Entscheidungsfindung; hierzu bedürfe es noch weiterer Gutachten und Machbarkeitssstudien, die z.T. schon in Auftrag gegeben worden seien. Es handele sich daher um eine Bürgerbeteili-gung zu einem sehr frühen Zeitpunkt. Dies halte er auch für richtig und wies darauf hin, dass dies bereits seine 30. Informationsveranstaltung zum Thema Flughafenerweiterung sei.

Rethage skizzierte zunächst die Entwicklung im Flugverkehr, die sich seit 1950 durch ein stetes deutliches Wachstum auszeichnete. Der Flug-hafen in Holtenau sei gemessen an den Fahrgastzahlen bereits heute schon unter-dimensioniert. Vor 1 1/2 Jahren seien daher Überlegungen angestellt worden, wie dem Wachstum begegnet werden sollte. Als ein wesentliches Ergebnis der hierzu in Auftrag gegebenen Potenzialanalyse sei die vorge-schlagene Verlängerung der Start- und Landebahn, um z.B. auch künftig für das Liniennetz der Lufthansa attraktiv zu bleiben. Hingegen sei es nicht seine Intention, den Charterverkehr nach Kiel zu holen.

Bei der Darstellung der weiteren Verfahrens-abläufe wie das Planfeststellungsverfahren bis hin zu einem möglichen Erweiterungsbau wurde deutlich, dass mit der zurzeit vorgenommenen Analyse der Ausgangsbedingungen das Projekt sich noch ganz am Anfang eines mehrjährigen Planungszeitraumes befindet. Rethage infor-mierte sodann über den aktuellen einstimmig gefassten Beschluss des Wirtschaftsausschus-ses, der Ratsversammlung vorzuschlagen, weitere Untersuchungen über Nutzen und Notwendigkeit des Ausbaus anzustellen.

Aus den vergangenen lnformationsveranstal-tungen habe er über 700 Fragen mitgenommen, die zu 15 Fragebündeln zusammengefasst worden seien. Zu bestimmten Fragen seien weitere Einzelgutachten in Auftrag gegeben worden, um die Ergebnisse der Potenzial-analyse zu überprüfen.

Im Anschluss an den Vortrag von Wirtschafts-dezernent Rethage erhielten der Vorsitzende des Sonderausschusses der Gemeinde Alten-holz Joachim Dammann und der Sprecher der Bürgervereinigung Holtenau Frank Schmidt die Gelegenheit, ihre ablehnende Haltung zum Ausbau des Flughafens darzulegen.

Herr Dammann erläuterte die Folgen für die Wohnbereiche nördlich des Kanals wie Altenholz und Friedrichsort, wenn deren verkehrliche Anbindung an Kiels Centrum künftig nur noch durch ein Nadelöhr in Form eines ca. 400 m langen Tunnels möglich sei. Statt der heutigen Propellermaschinen würden Düsenjets über Kronshagen, Suchsdorf und Projensdorf den Flughafen anfliegen und verlassen und über diesen Stadtteilen einen Schadstoffteppich ausbreiten. Herr Dammann wies darauf hin, dass zahlreiche Schulen mit über 4000 Schülerinnen und Schüler unter erhöhter Lärmbelästigung durch einen ausgebauten Flughafen leiden würden. Neben den Einwohnerinnen und Einwohnern der angrenzenden Wohnbereiche wären auch der Tourismus und die Landwirtschaft von einem Ausbau nachteilig betroffen.

In der anschließenden Diskussion mit den Bürgerinnen und Bürgern lehnten diese überwiegend einen Ausbau des Flughafens ab. So musste der Wirtschaftsdezernent sich vorwerfen lassen, dass der Mensch nur am Rande in seinen Ausführungen vorkomme. Und der Vorsitzende des Ortsbeirates Holtenau wünschte sich, Umweltdezernent Schirmer würde sich mit gleicher Vehemenz für die ökologischen Belange und für den gesundheit-lichen Schutz der Bürgerinnen und Bürger einsetzen wie Wirtschaftsdezernent Rethage für seine Klientel.

Besitzer von Flachdachhäusern äußerten die Sorge, dass sie in verstärktem Maße unter dem Lärm der Düsenjets leiden könnten, da der Schall ungehinderter in die Häuser eindringe als bei Satteldachhäusern.

Im Falle eines Ausbaus des Flughafens werde die LEG erhebliche Schwierigkeiten bekommen, Grundstücke im Baugebiet Suchsdorf an der Au zu verkaufen, unkten einige Bürgerinnen und Bürger. Tatsächlich sollen potenzielle Käufer sich schon besorgt nach eventuellen Auswir-kungen auf das Baugebiet erkundigt haben.

Zum Ende der Veranstaltung sprach Wirt-schaftsdezernent Rethage versöhnlich von einem schwierigen Abwägungsprozess. Einerseits sehe er große Chancen für die Wirtschaft in der Region, andererseits sehe er aber auch die Risiken für die Ökologie und mögliche Beeinträchtigungen für die Bürgerinnen und Bürger.

Die Fülle an vorgetragenen Argumenten Für und Wider eines Ausbaus des Flughafens und die größtenteils sehr sachlich geführte Diskussion trug dazu bei, dass viele Teilnehmer sich nach der Veranstaltung nicht nur sachkundiger fühlten, sondern auch gelernt hatten, etwas gelassener mit dem Thema umzugehen.

Dies war und ist nicht zuletzt das Verdienst des Vorsitzenden des Ortsbeirates Reinhard Warnecke, der souverän und einfühlsam die Sitzung leitete.